SEO 5 Min Lesezeit

Core Web Vitals 2025 — INP statt FID, und was das für Deine Seite bedeutet

Seit März 2024 ersetzt INP das alte FID als Core Web Vital. Was das konkret heißt, wie Du INP misst und wo die üblichen Bremsen stecken.

Bild: Vijayanrajapuram · CC BY-SA 4.0

Thorsten Heß
Thorsten Heß MOLOTOW Web Development

Wenn Du in den letzten Wochen in die Search Console geschaut hast, ist Dir vielleicht aufgefallen, dass eine alte Bekannte fehlt: First Input Delay (FID) wird dort nicht mehr ausgewiesen. Google hat im März 2024 die Core Web Vitals umgestellt — und FID durch Interaction to Next Paint (INP) ersetzt. Für die meisten Seiten ist das kein kosmetischer Wechsel, sondern ein echter Schnitt. Wir zeigen Dir in diesem Beitrag, was sich geändert hat, wie Du INP misst und wo in der Praxis die größten Bremsen liegen.

Was sind Core Web Vitals überhaupt?

Die Core Web Vitals sind drei Messwerte, mit denen Google die Nutzererfahrung einer Seite bewertet. Sie fließen in das Ranking ein — nicht als Mega-Hebel, aber als Qualitätssignal, das bei sonst gleichwertigen Seiten den Ausschlag geben kann. Die drei aktuellen Metriken sind:

  • LCP (Largest Contentful Paint) — wie schnell das größte sichtbare Element geladen ist. Zielwert: unter 2,5 Sekunden.
  • INP (Interaction to Next Paint) — wie reaktionsschnell die Seite auf Interaktionen antwortet. Zielwert: unter 200 Millisekunden.
  • CLS (Cumulative Layout Shift) — wie stabil das Layout beim Laden bleibt. Zielwert: unter 0,1.

LCP und CLS kennst Du vermutlich schon. Die spannende Neuerung ist INP.

Warum Google FID durch INP ersetzt hat

FID hatte einen konstruktiven Fehler: Es maß nur die allererste Interaktion auf einer Seite — also den ersten Klick, Tap oder Tastendruck. Wenn der erste Klick schnell war und alles danach gehakt hat, sah FID trotzdem grün aus. Das hat in der Realität kaum etwas mit dem subjektiven Eindruck von Reaktionsfreude zu tun.

INP misst stattdessen alle Interaktionen während des Seitenbesuchs und meldet den schlechtesten (bzw. bei vielen Interaktionen nahezu schlechtesten) Wert zurück. Damit siehst Du endlich, wie sich Deine Seite beim echten Durcharbeiten anfühlt — nicht nur beim ersten Fingertipp.

Die Grenzwerte sind klar:

  • Gut: bis 200 ms
  • Verbesserungsbedürftig: 200–500 ms
  • Schlecht: über 500 ms

Nach unserer Erfahrung fallen ausgerechnet Seiten mit vielen Drittanbieter-Scripts — Tracking, Chat-Widgets, A/B-Testing — bei INP zum ersten Mal negativ auf, obwohl sie bei FID immer grün waren.

So misst Du INP richtig

Für INP brauchst Du echte Felddaten, keine Labor-Simulation. Das heißt: Lighthouse allein reicht nicht. Setze stattdessen auf diese Werkzeuge:

  1. Google Search Console — zeigt Dir aggregierte INP-Werte aus dem Chrome User Experience Report (CrUX), also von echten Besuchern Deiner Seite.
  2. PageSpeed Insights — liefert den CrUX-Wert für einzelne URLs plus Lab-Daten.
  3. web-vitals-Library von Google — ein kleines JavaScript, mit dem Du INP, LCP und CLS im eigenen Analytics tracken kannst.
  4. Chrome DevTools (Performance-Panel) — um im Entwickler-Workflow einzelne Interaktionen zu analysieren.

Wichtig: INP ist eine Feld-Metrik. Wenn Deine Seite wenig Traffic hat, kann es Wochen dauern, bis CrUX verlässliche Werte liefert. In der Zwischenzeit hilft die web-vitals-Library, selbst Daten zu sammeln.

Typische INP-Bremsen — und was Du dagegen tust

Aus den Projekten, die bei uns in Lahr auf dem Tisch lagen, haben sich ein paar Verdächtige herauskristallisiert:

1. Schwere JavaScript-Frameworks mit aktivem Hydration-Prozess. Wer eine klassische React- oder Vue-SPA betreibt, zahlt bei jeder Interaktion mit JavaScript-Arbeit. INP straft das gnadenlos ab. Ein Grund, warum wir unsere eigene Agenturseite (molotow-web.com) auf Astro umgestellt haben — dort wird nur das JavaScript geladen, das wirklich interaktiv sein muss.

2. Third-Party-Scripts. Google Tag Manager, Facebook Pixel, Hotjar, Live-Chat — jedes davon läuft auf dem Main-Thread und kann Interaktionen blockieren. Die Faustregel: Jedes Script gehört auf den Prüfstand. Brauchst Du es wirklich? Wenn ja, lade es async oder defer und möglichst erst nach Consent.

3. Lange Tasks (Long Tasks > 50 ms). Jeder JavaScript-Block, der den Main-Thread länger als 50 ms besetzt, ist ein INP-Risiko. Abhilfe: Arbeit in kleinere Chunks zerlegen, requestIdleCallback nutzen, schwere Berechnungen in Web Worker auslagern.

4. CSS- und Layout-Arbeit bei jedem Klick. Manche Animationen erzwingen Layout-Recalculation. Prüfe, ob Du mit transform und opacity auskommst statt mit width, height oder top/left.

5. Zu große DOM-Bäume. Seiten mit 3.000+ DOM-Knoten sind für den Browser ein Problem. Lange Listen gehören paginiert oder virtualisiert.

LCP und CLS im Kontext — bitte nicht vergessen

Auch wenn INP gerade das Rampenlicht bekommt, zählen LCP und CLS weiterhin. Typische Schnellmaßnahmen:

  • LCP: Hero-Bild preloaden, moderne Bildformate (WebP/AVIF), HTTP/2 oder HTTP/3, kein render-blockierendes CSS.
  • CLS: Bilder und iFrames mit width/height versehen, Web Fonts mit font-display: swap und size-adjust, Platzhalter für dynamisch nachgeladene Inhalte.

Wenn Du bei allen drei Metriken im grünen Bereich bist, hast Du die Pflicht erfüllt. Die Kür ist dann die dauerhafte Überwachung, denn eine einzige neue Plugin-Installation kann alles wieder kaputtmachen.

Häufige Fragen

Was ist INP in einfachen Worten?

INP misst, wie lange Deine Seite braucht, um nach einer Nutzerinteraktion sichtbar zu reagieren. Nicht der erste Klick zählt, sondern der Durchschnitt bzw. der schlechteste Wert aller Interaktionen während eines Besuchs.

Ab wann ist ein INP-Wert gut?

Unter 200 Millisekunden gilt als gut, 200–500 ms als verbesserungsbedürftig, alles darüber als schlecht. Google bewertet dabei das 75-Perzentil Deiner echten Nutzer.

Muss ich meine Seite wegen INP neu bauen?

In den seltensten Fällen. Oft reichen gezielte Eingriffe an Third-Party-Scripts, Plugin-Diät und das Aufbrechen langer JavaScript-Tasks. Wenn Deine Basis allerdings eine schwere SPA ist und Du ohnehin eine Modernisierung planst, ist ein Wechsel auf Astro oder einen anderen Islands-Ansatz eine gute Gelegenheit.

Wie prüfe ich, ob mein INP schlecht ist?

Schau zuerst in die Google Search Console unter „Core Web Vitals”. Dort siehst Du pro URL-Gruppe, ob INP-Probleme vorliegen. Für die Detail-Diagnose nutzt Du dann PageSpeed Insights und die Chrome DevTools.

Beeinflusst INP wirklich mein Ranking?

Ja — aber nicht dramatisch. Core Web Vitals sind ein Rankingfaktor unter vielen. Bei sehr umkämpften Keywords, wo die Inhalte ähnlich gut sind, kann der Unterschied zwischen „grün” und „rot” aber durchaus über einen oder zwei Positionen entscheiden.

Zeit, Deine Seite ehrlich anzuschauen

Wenn Du nach dem Lesen unsicher bist, wo Deine Seite gerade steht — das ist normal. INP ist eine Metrik, die sich erst beim echten Benutzen zeigt, und viele Seiten haben hier Nachholbedarf, ohne es zu wissen. Wir schauen uns Deine Seite gerne an und sagen Dir ehrlich, wo die größten Hebel sind. Melde Dich einfach über das Kontaktformular oder wirf einen Blick auf unsere KI-Use-Cases, wenn Du auch das Thema Automatisierung angehen willst.


Stand: April 2026. Google passt Metriken und Schwellenwerte regelmäßig an — aktuelle Werte findest Du in der offiziellen web.dev-Dokumentation.

Beitrag teilen
Thorsten Heß — Gründer MOLOTOW Web Development

Über den Autor

Thorsten Heß

Gründer · MOLOTOW Web Development

Seit über 20 Jahren beschäftige ich mich mit dem Web — von der ersten handgeschriebenen HTML-Seite bis zu komplexen KI-gestützten Plattformen. Bei MOLOTOW Web Development in Lahr entwickeln wir für kleine wie für mittelständische Unternehmen Lösungen, die nicht nur gut aussehen, sondern auch nach Jahren noch wartbar sind. Seit 2024 ergänzen wir unser Portfolio um zertifizierte KI-Beratung nach dem EU AI Act. Wenn Du eine Idee, ein Problem oder nur eine kurze Frage hast — schreib uns.