Datenschutzkonformes Web-Analytics 2024 — Plausible, Matomo, Pirsch im Vergleich
Google Analytics 4 bleibt datenschutzrechtlich heikel. Drei DSGVO-konforme Alternativen im Praxis-Vergleich — Hosting, Cookieless, Funktionen, Preis, Migration.
Bild: Luke Chesser · Unsplash License
Fast jede Website hat ein Analytics-Tool. Fast jede zweite läuft noch auf Google Analytics 4 — und das ist 2024 eine datenschutzrechtliche Wackelkonstruktion, die man guten Gewissens nicht mehr neu aufsetzt. Die gute Nachricht: Die Alternativen sind inzwischen so erwachsen, dass der Wechsel eher Erleichterung als Verzicht ist. Drei Kandidaten dominieren den Markt der datenschutzfreundlichen Web-Analytics: Plausible, Matomo und Pirsch. Alle drei haben wir in Kundenprojekten eingesetzt und kennen ihre Stärken und Schwächen.
Wir sind MOLOTOW Web Development aus Lahr im Schwarzwald, geführt vom zertifizierten KI-Manager Thorsten Heß. In diesem Beitrag vergleichen wir die drei, sagen, welches Tool für welchen Fall passt, und geben Migrations-Tipps. Keine Rechtsberatung — die endgültige Bewertung für Deinen konkreten Fall trifft Dein Datenschutzbeauftragter oder ein Anwalt.
Warum GA4 datenschutzrechtlich weiter problematisch ist
Google Analytics 4 übertraegt personenbezogene Daten an Server in den USA. Das ist seit dem EuGH-Urteil Schrems II das Kernproblem: Die USA gelten mangels gleichwertigem Datenschutzniveau nicht automatisch als sicheres Drittland. Das EU-US Data Privacy Framework von 2023 hat die Situation formal entschaerft, aber die Rechtsunsicherheit bleibt — juristisch, weil das Framework bereits Gegenstand einer Nichtigkeitsklage vor dem EuGH ist, praktisch, weil Aufsichtsbehörden den Einsatz weiterhin kritisch sehen.
Dazu kommt die Architektur von GA4: Es ist cookiebasiert, es fingerprint-et, es nutzt Geräte-IDs, und es ist ohne vorherige Einwilligung nicht einsetzbar. Der Einwilligungsbanner ist nicht nur laestig, er reduziert die Datenbasis um 30 bis 60 Prozent — je nachdem, wie hart Nutzer ablehnen. Du zahlst also doppelt: einmal in juristischer Unsicherheit, einmal in verlorenen Daten.
Die logische Konsequenz: Auf ein Tool wechseln, das nativ ohne Cookies und ohne personenbezogene Daten arbeitet.
Plausible Analytics
Plausible ist die bekannteste der drei Alternativen. Entwickelt in Estland, gehostet wahlweise in der EU (Managed Hosting in Frankfurt oder Helsinki) oder selbst gehostet auf eigenem Server. Cookieless, leichtgewichtig (Script unter 1 KB), datenschutzfreundlich by default.
Stärken: Minimalistisches Dashboard, das auch Nicht-Analysten lesen können. Keine Cookies, keine personenbezogenen Daten, keine Einwilligung nötig. Open Source (AGPL), falls Du selbst hosten willst. Die gehostete Variante ist spielend einfach einzurichten.
Schwächen: Wenige Detailberichte. Keine tiefgehende Segmentierung, kein Funnel-Report im GA4-Stil, keine Kampagnen-Attribution über mehrere Kanäle. Für einen Shop, der komplexe Kaufpfade analysieren will, manchmal zu schlank.
Preis: Gehostet ab 9 Euro pro Monat für bis zu 10.000 Pageviews, steigt linear. Self-hosted kostenlos.
Für wen: Blogs, Unternehmens-Websites, kleinere Shops, die wissen wollen, welche Seiten gefragt sind und woher die Besucher kommen. Unsere Standardempfehlung, wenn der Informationsbedarf überschaubar ist.
Matomo
Matomo ist das Urgestein unter den GA-Alternativen. Seit 2007 aktiv, früher unter dem Namen Piwik, entwickelt aus Neuseeland. Sehr mächtig, sowohl selbst gehostet als auch als Cloud-Version in Deutschland verfügbar.
Stärken: Funktionsumfang auf Augenhöhe mit GA4 — Segmente, Funnels, Nutzerprofile, E-Commerce-Tracking, Heatmaps, Session-Recordings (als Add-on). Im Cookieless-Modus mit IP-Anonymisierung und Opt-out-Möglichkeit gilt Matomo nach Einschätzung mehrerer Landesdatenschutzbehörden als einwilligungsfrei. On-premise behältst Du alle Daten auf Deinem Server.
Schwächen: Das Admin-Interface ist deutlich komplexer und wirkt im Vergleich zu Plausible altbacken. Self-Hosting bringt Wartungsaufwand mit sich (Updates, Datenbankpflege, Performance-Tuning bei großen Volumen). Die Cloud-Variante ist nicht guenstig.
Preis: Self-hosted kostenlos, aber mit Hosting-Aufwand. Cloud ab ca. 23 Euro pro Monat für bis 50.000 Aktionen.
Für wen: Mittelgroße bis große Websites, Shops mit detailliertem Tracking-Bedarf, Unternehmen, die alle Daten selbst behalten wollen (Behörden, Gesundheitswesen, Konzerne).
Pirsch Analytics
Pirsch ist der juengste der drei, gegründet 2020 in Deutschland. Komplett deutsch gehostet, cookieless by design, minimalistisches Interface, fairer Preis. Für viele deutsche KMU unser heimlicher Favorit.
Stärken: Server in Deutschland, komplett DSGVO-orientiert, einfaches Dashboard, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Bietet saubere Events und ein UTM-Tracking, das für die meisten Kampagnen ausreicht. Der Support antwortet auf Deutsch.
Schwächen: Kleineres Ökosystem als Plausible oder Matomo, weniger Integrationen mit Drittdiensten. Keine Self-Hosting-Variante (Stand 2024).
Preis: Ab 6 Euro pro Monat für bis zu 100.000 Pageviews — damit preislich der guenstigste Kandidat für kleine und mittlere Websites.
Für wen: Deutsche und österreichische Unternehmen, die Wert auf EU-Hosting und deutschsprachigen Support legen. Für Agenturen attraktiv, weil das Modell „mehrere Websites in einem Account” sauber abbildet.
Migrations-Tipps
Der Umzug von GA4 ist weniger aufwändig, als viele fürchten. Der wichtigste Schritt: Erst parallel laufen lassen, dann umschalten. Beide Tools zwei bis vier Wochen nebeneinander, damit Du siehst, wie sich die Zahlen verhalten und welche Kennzahlen in der neuen Welt fehlen.
Historische Daten. Plausible und Pirsch importieren keine GA4-Historie nativ. Matomo hat einen Import, der aber limitiert ist. Unser Tipp: Exportiere die wichtigsten GA4-Berichte einmalig als CSV und archiviere sie. Vergleichswerte für Vorjahre rechnest Du dann gegen den Archivstand, nicht gegen das Tool.
Events und Ziele. In GA4 hast Du vermutlich Events wie „Button Klick”, „Formular-Submit” oder „Bestellung abgeschlossen”. Mache Dir eine Liste, welche davon Du wirklich brauchst, und richte sie im neuen Tool neu ein. Das ist meist schnell erledigt, weil man im Vorgang bemerkt, dass die Hälfte der GA4-Events seit Monaten niemand mehr angesehen hat.
Tag Manager. Wer bisher GTM nutzt, kann weiter damit arbeiten — Plausible, Matomo und Pirsch bieten Template-Tags oder einfache Script-Einbindungen. Der GTM selbst braucht allerdings auch eine datenschutzrechtliche Bewertung, weil er aus den USA nachgeladen wird, wenn Du die Container-Variante über Google nutzt. Serverside Tag Manager ist eine Option, aber Overkill für die meisten.
Consent. Mit Plausible, Matomo (cookieless) oder Pirsch kannst Du auf einen Consent-Banner für Analytics verzichten. Das ist der unterschätzte Hauptgewinn. Dein Banner wird kleiner, Deine Datenbasis größer und Deine Rechtslage klarer. Mehr dazu in unserem Beitrag Cookie-Banner 2025 aktuelle Rechtslage.
Welches Tool nehmen wir in welchen Projekten?
Unsere Praxis sieht so aus: Für Unternehmens-Websites und Blogs nehmen wir meist Plausible oder Pirsch — sie sind schnell eingerichtet, das Dashboard ist selbsterklärend, und der Informationsbedarf ist in der Regel eh nicht tief. Bei Shops mit mehreren tausend Besuchern am Tag oder bei Kunden, die alle Daten selbst behalten wollen, setzen wir Matomo ein, in 80 Prozent der Fälle cloudbasiert, in 20 Prozent selbst gehostet. Google Analytics installieren wir in neuen Projekten nicht mehr, außer der Kunde besteht darauf und kennt die Risiken.
Häufige Fragen
Ist Plausible wirklich ohne Cookie-Banner erlaubt?
Nach Einschätzung der meisten deutschen Aufsichtsbehörden ja, weil Plausible keine Cookies setzt und keine personenbezogenen Daten im Sinne der DSGVO verarbeitet (IP wird sofort anonymisiert und gehasht, kein Fingerprinting). Ein Hinweis in der Datenschutzerklärung ist trotzdem Pflicht. Die endgültige Bewertung trifft Dein Datenschutzbeauftragter. Keine Rechtsberatung.
Kann Matomo wirklich GA4 ersetzen?
Funktional weitgehend ja. E-Commerce-Tracking, Funnels, Segmente, Ereignisse — alles vorhanden. Was fehlt, ist die tiefe Google-Welt-Integration (Google Ads, Search Console direkt im Dashboard), die GA4 seinen Nutzern bietet. Für viele Teams ist das verzichtbar, für reine Performance-Marketing-Setups eher nicht.
Sind die drei Tools für Core Web Vitals geeignet?
Alle drei liefern Grundmetriken. Für echte Web-Vitals-Diagnosen ist ein spezialisiertes Tool (PageSpeed Insights, Sentry Performance, CrUX-Report) ohnehin besser. Analytics und Performance-Monitoring sind nicht dasselbe.
Wie lange dauert eine typische Migration?
Für eine Standard-Website ein halber bis ganzer Tag, inklusive Dashboard-Setup, Events-Übertragung und Datenschutzerklärung anpassen. Bei komplexen Shops mit Custom-Events und E-Commerce-Tracking rechnen wir zwei bis vier Tage. Parallelbetrieb vor dem Umzug zahlt sich immer aus.
Fazit
Google Analytics 4 ist kein Fluch, aber eine rechtlich unsichere Bank und wird von vielen Aufsichtsbehörden kritisch gesehen. Plausible, Matomo und Pirsch sind heute so erwachsen, dass der Umstieg keine Einschränkung mehr ist, sondern eine Verbesserung — weniger Banner, mehr Daten, klarere Lage. Wer noch auf GA4 sitzt, sollte 2024 einen Migrationspfad planen. Wir helfen Dir gern bei der Wahl und Einrichtung — melde Dich über unser Kontaktformular oder komm in eine kurze KI-Beratung, in der wir auch Datenschutzthemen rund um Analytics durchgehen.