Statische Websites vs. WordPress — was sich 2026 wirklich lohnt
JAMstack, Astro, WordPress — wann lohnt sich was? Eigene Erfahrungen aus dem Umzug unserer Agenturseite von WordPress auf Astro.
Bild: Arnold Francisca · Unsplash License
Seit ein paar Monaten läuft die Website, die Du gerade liest, nicht mehr auf WordPress, sondern auf Astro — als rein statische Site, ohne PHP, ohne Datenbank, ohne nächtlichen Sicherheits-Cronjob. Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen, und wir werden oft gefragt, ob der Wechsel sich lohnt. Kurze Antwort: für diese Art Seite ja. Längere Antwort: es kommt darauf an, und in diesem Beitrag erzählen wir Dir worauf.
Was ist JAMstack und warum reden 2026 alle darüber?
Der Begriff JAMstack stammt aus 2016 und steht ursprünglich für JavaScript, APIs und Markup. Gemeint ist ein Architekturmuster, bei dem HTML im Voraus generiert und als statische Dateien ausgeliefert wird, während dynamische Funktionen über APIs eingebunden werden. 2026 ist aus dem Buzzword Alltag geworden: Laut Web Almanac liegen statisch ausgelieferte Seiten beim Anteil auf Hugo bei etwa 18 Prozent, Next.js bei rund 13 Prozent und Astro hat sich im Ökosystem innerhalb weniger Jahre auf etwa 5 Prozent vorgearbeitet — mit einem Wachstum, das Astro im Jahr 2024 gegenüber dem Vorjahr nahezu verdreifacht hat.
Der Unterschied zu WordPress in einem Satz: Bei WordPress wird HTML bei jedem Besuch aus einer Datenbank zusammengerechnet, bei JAMstack einmal beim Build.
Die Kandidaten im Überblick
Die drei Namen, die 2026 im Gespräch sind:
- Astro — Content-fokussiert, liefert standardmäßig kein JavaScript aus, Islands-Architektur für interaktive Komponenten. Ideal für Blogs, Marketing-Sites, Dokumentation.
- Next.js — das Schweizer Taschenmesser. SSG, SSR, Edge-Functions, alles dabei. Großes Ökosystem, aber dafür auch komplexer und mit mehr JavaScript-Gewicht.
- Hugo — in Go geschrieben, extrem schneller Build, seit Jahren der Liebling für große, inhaltsgetriebene Seiten.
Dazu WordPress, das 2026 immer noch rund 40 Prozent aller Websites antreibt — nicht ohne Grund.
Vorteile statischer Sites (aus eigener Erfahrung)
Nach dem Umzug unserer Agenturseite (molotow-web.com) von WordPress auf Astro haben wir folgende Dinge messbar festgestellt:
1. Ladezeiten. Die LCP-Werte sind von durchschnittlich 2,1 Sekunden auf rund 800 ms gefallen. Kein Datenbankcall, kein PHP-Render, das HTML liegt einfach da.
2. Sicherheit. Keine Plugin-Updates mehr, keine PHP-Schwachstellen, kein Admin-Login, den jemand bruteforcen könnte. Die Angriffsfläche ist drastisch geschrumpft.
3. Hosting-Kosten. Statt eines WordPress-optimierten Hostings mit 20–30 Euro im Monat läuft die Seite jetzt auf einem CDN-basierten Hoster für wenige Euro — oder auf Netlify/Cloudflare Pages komplett kostenlos. Bei vielen KMU-Seiten lohnt sich das über die Jahre deutlich.
4. Wartungsaufwand. Wir rechnen grob: Für die alte WordPress-Version unserer Agenturseite sind etwa vier Stunden pro Monat an Wartung draufgegangen. Heute sind es nahe null, solange sich Inhalte nicht ändern.
5. Versionskontrolle. Jede Änderung läuft über Git. Wir sehen genau, wer was wann geändert hat, und ein Rollback ist ein einziger Befehl.
Die Schattenseiten — bitte nicht ignorieren
Statisch ist kein Freilos. Diese Punkte müssen auf dem Tisch liegen:
1. Kein klassischer Redaktions-Workflow. Wer es gewohnt ist, sich in wp-admin einzuloggen und einen Blogbeitrag direkt im Browser zu schreiben, muss entweder umlernen oder braucht ein Headless CMS (siehe Sanity, Storyblok, Directus). Ohne das ist jeder Textwechsel ein Commit im Git-Repository.
2. Build-Zeiten. Bei 50 Seiten baut Astro in 3 Sekunden. Bei 5.000 Seiten dauert es schon ein paar Minuten. Bei 50.000 wird es ernst.
3. Dynamische Funktionen fehlen. Kommentare, Formulare, Warenkorb — das geht alles, aber über externe Dienste oder Serverless Functions. Ein Stück Komplexität, das WordPress einfach dabei hatte.
4. Suche. Volltextsuche braucht eine eigene Lösung (Pagefind, Algolia, Meilisearch). In WordPress ist sie einfach da.
Wann WordPress weiterhin die richtige Wahl ist
Ganz ehrlich: Für viele unserer Kunden bleibt WordPress die richtige Entscheidung. Insbesondere wenn:
- mehrere Redakteure regelmäßig Inhalte einstellen und dabei keine Git-Kenntnisse haben,
- eine E-Commerce-Lösung gebraucht wird (WooCommerce ist trotz aller Kritik ein ausgereiftes Ökosystem),
- ein Community-Bereich, Foren, Mitgliederverwaltung benötigt wird,
- der Kunde bereits ein eingespieltes WordPress-Team hat und der Migrationsaufwand den Nutzen übersteigt.
In diesen Fällen ist die Frage eher, wie man WordPress sauber betreibt — und da helfen unser Hosting mit Caching, Backups und Härtung zuverlässig weiter.
Entscheidungshilfe nach Seitentyp
Hier unser pragmatischer Leitfaden aus der Praxis:
- Landingpage / Brochure-Site: Astro oder Hugo. Kein Grund für WordPress.
- Blog / Magazin mit festem Redakteur: Astro + Headless CMS, oder WordPress wenn Komfort wichtig ist.
- Firmensite mit 20–100 Seiten: Astro, gerne mit Markdown-Inhalten direkt im Repo. Schnell, sicher, wartungsarm.
- Online-Shop unter 50 Produkten: Shopify oder ein schlanker Stack mit Snipcart. WooCommerce nur wenn bereits vorhanden.
- Shop über 500 Produkten: WooCommerce oder Shopware, ggf. als Headless-Variante.
- Community / Forum / Mitgliederbereich: WordPress mit BuddyPress oder eine dedizierte Plattform.
SEO — kein echter Unterschied mehr
Eine Sorge, die wir oft hören: „Wenn ich von WordPress weggehe, verliere ich mein Ranking.” Das stimmt nur, wenn Du beim Umzug schludrig bist. Google interessiert sich nicht, ob Dein HTML aus PHP oder aus einem Astro-Build kommt. Entscheidend sind saubere URLs, 301-Redirects für geänderte Pfade, stabile Meta-Daten und eine gültige Sitemap. Auf unserer Agenturseite (molotow-web.com) haben wir die Rankings durch den Umzug sogar leicht verbessert — dank der besseren Core Web Vitals.
Häufige Fragen
Ist eine statische Website immer schneller als WordPress?
In der Regel ja, aber nicht zwingend. Ein gut gecachter WordPress mit CDN kann nahe an eine statische Site herankommen. Der Unterschied wird spürbar, wenn die Seite viele gleichzeitige Besucher hat oder wenn Plugins den Rendering-Prozess verlangsamen.
Kann ich meine bestehende WordPress-Seite einfach exportieren?
Teilweise. Es gibt Tools, die WordPress-Inhalte nach Markdown exportieren, aber Template, Design und Plugin-Funktionen musst Du in der Regel neu aufbauen. Auf unserer Agenturseite (molotow-web.com) haben wir die Inhalte halbautomatisch migriert und das Template komplett neu geschrieben.
Wie viel Entwicklerwissen brauche ich für Astro?
Grundkenntnisse in HTML, CSS und JavaScript reichen, um mit Astro umzugehen. Wer WordPress-Theme-Dateien anpassen kann, kommt auch mit Astro klar. Komplexere Interaktionen setzen Framework-Kenntnisse voraus.
Was kostet die Migration grob?
Für eine typische Firmensite mit 20–40 Seiten liegen realistische Migrationskosten zwischen 1.000 und 4.000 Euro, je nach Designfrische und Inhaltsumfang. Dem stehen Hosting- und Wartungsersparnis von oft mehreren hundert Euro im Jahr gegenüber.
Was passiert mit meinem Blog, wenn ich auf Astro umziehe?
Der Blog lebt weiter — nur liegen die Beiträge dann als Markdown-Dateien im Repository oder in einem Headless CMS statt in der WordPress-Datenbank. Die Feed-URL kann stabil bleiben, alte Beitrags-URLs leitest Du per Redirect auf die neuen um.
Lust auf eine ehrliche Einschätzung?
Wenn Du unsicher bist, ob Deine Seite ein Kandidat für einen Umzug ist oder ob WordPress für Dich die richtige Wahl bleibt — wir schauen uns das gerne an und sagen Dir offen, wo wir den größten Nutzen sehen. Mehr zu unserer Herangehensweise findest Du auf der Seite zur Webseitenerstellung, oder Du meldest Dich direkt über das Kontaktformular.