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Welche Daten ein KI-System im Unternehmen sehen darf

Bevor ein KI-System im Betrieb nützlich wird, muss geklärt sein, worauf es zugreifen darf. Wie ich Berechtigungen aufbaue und warum ich mit einer einzigen Frage anfange.

Thorsten Heß
Thorsten Heß MOLOTOW Web Development

Die erste Frage, die im Raum steht, wenn ein Unternehmen über KI nachdenkt, ist selten eine technische. Sie lautet: Wer sieht dann eigentlich was?

Zu Recht. Ein System, das Mails, Rechnungen, Angebote und Gesprächsnotizen durchsuchbar macht, ist genau so lange nützlich, wie es die richtigen Dinge findet — und genau so lange unproblematisch, wie es die falschen nicht zeigt. Beides hängt an derselben Entscheidung, und die fällt vor der Einrichtung, nicht danach.

Ich fange mit einer einzigen Frage an

Bevor ich irgendetwas anbinde, klären wir: Wer im Unternehmen darf diese Information heute schon sehen — ohne KI?

Das klingt banal, ist aber der Kern. Ein KI-System ist keine neue Berechtigungsebene. Es ist ein zusätzlicher Weg zu Daten, die es ohnehin gibt. Wenn die Buchhaltung heute in die Eingangsrechnungen schaut und der Vertrieb nicht, dann muss das nachher genauso sein. Wer diese Frage überspringt und einfach alles einliest, weil das technisch einfacher ist, baut ein Problem ein, das später niemand mehr sauber auseinandersortiert.

In der Praxis gehe ich die Quellen einzeln durch: Postfach, Warenwirtschaft, Dateiablage, Telefonie, Dokumente. Für jede notieren wir, wer sie heute nutzt und in welchem Umfang. Das dauert je nach Betrieb einen halben bis einen ganzen Tag und ist der wertvollste Teil des Projekts. Auch deshalb, weil dabei regelmäßig auffällt, dass eine Freigabe seit Jahren zu weit gefasst ist. Das hat dann nichts mit KI zu tun und gehört trotzdem korrigiert.

Drei Bereiche statt einer Schublade

Danach sortiere ich die Quellen.

Offen im Unternehmen. Handbücher, Prozessbeschreibungen, Preislisten, Produktdaten, abgeschlossene Projekte. Hier bringt Durchsuchbarkeit den größten Nutzen bei geringstem Risiko. Damit fange ich immer an — nicht weil es das Spannendste ist, sondern weil sich hier in wenigen Wochen zeigt, ob das System im Alltag trägt.

Rollengebunden. Vorgänge, Angebote, Rechnungen, Kundenkommunikation. Zugriff wie im Tagesgeschäft: Wer den Vorgang bearbeitet, sieht ihn. Technisch heißt das, dass die Berechtigung an derselben Stelle hängt wie im Quellsystem, nicht an einer zweiten, die man separat pflegen müsste. Zwei Berechtigungslisten laufen immer auseinander.

Gesperrt. Personalakten, Gehaltsdaten, Bewerbungen, Krankmeldungen, alles mit Mitbestimmungsbezug. Diese Quellen binde ich nicht an. Nicht mit Sonderrechten, nicht “vorerst nur lesend”, nicht “das filtern wir dann raus”. Was nicht drin ist, kann nicht herausfallen.

Was ich technisch mache, damit das hält

Die Einteilung nützt wenig, wenn sie nur in einer Tabelle steht.

Die Berechtigung wandert mit. Jeder Inhalt trägt seine Herkunft und seine Zugriffsregel mit sich. Geprüft wird bei der Abfrage, nicht beim Einlesen. Sonst müsste der ganze Index neu gebaut werden, sobald jemand die Abteilung wechselt.

Getrennte Bereiche statt getrennter Filter. Wo mehrere Firmen oder Mandanten im selben System liegen, trenne ich sie auf Datenebene, nicht über eine Abfragebedingung. Ein vergessener Filter ist ein Fehler. Eine fehlende Verbindung ist keiner.

Nachvollziehbarkeit von Anfang an. Wer hat wann was gefragt, welche Quellen kamen in der Antwort vor. Das braucht man seltener, als man denkt — aber wenn man es braucht, sofort und vollständig.

Jede Antwort nennt ihre Quellen. Das ist kein Schmuck. Wer die Quelle sieht, erkennt selbst, ob die Antwort trägt. Und wer eine Quelle sieht, die er nicht sehen sollte, meldet das. Eine bessere Kontrolle bekommt man nicht.

Wo dieser Weg an Grenzen stößt

Er kostet Zeit, bevor irgendetwas läuft. Wer in zwei Wochen ein vorführbares Ergebnis braucht, empfindet die Quellen-Durchsicht als Bremse. Meine Erfahrung ist, dass genau diese zwei Wochen später Monate sparen — aber die Ungeduld verstehe ich.

Und er löst nicht alles. Ob eine bestimmte Auswertung mitbestimmungspflichtig ist, ob eine Datenschutz-Folgenabschätzung nötig wird, ob ein Vertrag mit einem Anbieter die Verarbeitung überhaupt erlaubt: Das gehört zu Datenschutzbeauftragten, Betriebsrat und im Zweifel zu einem Anwalt. Ich baue das System und sage genau, was es tut. Die rechtliche Bewertung gehört nicht mir.

Auch technisch bleibt eine Grenze: Ein sauber geregelter Zugriff macht eine Quelle nicht automatisch verständlich. Schlechte Ablagen, doppelte Dokumente oder veraltete Vorlagen werden durch eine KI schneller gefunden, aber nicht besser. Deshalb beginne ich lieber mit einem überschaubaren Bereich, prüfe die Treffer mit den Menschen, die ihn täglich nutzen, und erweitere erst dann. So bleibt sichtbar, ob ein Nutzen entsteht oder nur ein weiterer Suchweg.

Diese Reihenfolge ist kein Misstrauen gegen die Technik. Sie schützt davor, aus einer Berechtigungsfrage später ein Aufräumprojekt zu machen. Was ich am Anfang bewusst nicht anschließe, kann ich nach einer geklärten Freigabe immer noch ergänzen. Umgekehrt ist ein einmal verteilter Datenbestand schwer wieder einzufangen.

Wenn Sie das gerade überlegen

Nehmen Sie die Liste Ihrer Systeme und schreiben Sie hinter jedes, wer heute hineinschaut. Wo Sie zögern, haben Sie den ersten Punkt gefunden, der zu klären ist — mit oder ohne KI.

Und wenn Sie wissen möchten, wie das in Ihrem Fall aussieht: Schreiben Sie mir. Ein erstes Gespräch kostet nichts, und danach ist meistens klarer, welche Quelle sich lohnt und welche man besser stehen lässt.

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Thorsten Heß — Gründer MOLOTOW Web Development

Über den Autor

Thorsten Heß

Gründer · MOLOTOW Web Development

Seit über 20 Jahren beschäftige ich mich mit dem Web — von der ersten handgeschriebenen HTML-Seite bis zu komplexen KI-gestützten Plattformen. Bei MOLOTOW Web Development in Lahr entwickeln wir für kleine wie für mittelständische Unternehmen Lösungen, die nicht nur gut aussehen, sondern auch nach Jahren noch wartbar sind. Seit 2024 ergänzen wir unser Portfolio um zertifizierte KI-Beratung nach dem EU AI Act. Wenn Du eine Idee, ein Problem oder nur eine kurze Frage hast — schreib uns.

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